DIE ARCHITEKTUR

Die St. Johanniskirche ist eine der vier durch Karl Friedrich Schinkel in einem Zuge entworfenen Vorortkirchen. Sie waren bauähnlich, wiesen aber jeweils, individuelle Charakteristika auf. Die drei weiteren befinden sich im Wedding (Nazareth-Kirche  am Leopoldplatz, St. Paul-Kirche  Bad-/Ecke Pankstraße) und in Mitte (Elisabeth-Kirche in der Invalidenstraße).

St Johannis war ursprünglich eine einschiffige Hallenkirche mit längsrechteckigem Grundriss und halbrunder Apsis, ein schlichter Backsteinbau ohne Turm und Portikus. Da sie auf einer kleinen Anhöhe lag, erhielt sie eine vorgelagerte Freitreppe. Die Vorderseite öffnete sich unterhalb des Rundbogenfensters  mit einem dreitorigen Portal zur Brückenallee (Kirchstraße). Die Längsseiten der Kirche waren zweireihig durch Rundbogenfenster durchbrochen. Die Architektur der 1835 eröffneten Kirche war geprägt von kubischer Geschlossenheit und konstruktiver Sachlichkeit.

Die Schlichtheit und Zweckmäßigkeit Schinkels sollte im Rahmen der ersten baulichen Erweiterung jedoch schon bald einer romantischen Neuinterpretation durch Stüler weichen. Oberbaurat Friedrich August Stüler machte auf Wunsch von König Friedrich Wilhelm IV. bereits 1844 dementsprechende Entwürfe. Der König selbst, der sich intensiv mit der Architektur Italiens befasst hatte und dorthin auch mit Stüler gereist war, nahm während seiner Regentschaft großen Anteil an der Planung. Er verfügte den heutigen Standort des Turmes hinter den Arkaden. So wird von einer Bauzeichnung berichtet, in der der König mit Bleistift vermerkte:
"Ist dieser Plan der jetzt empfohlene, so genehmige ich ihn bis auf folgende evtl. Modifikationen: Ich hätte nämlich gern die offenen Arkaden auf beiden Seiten. Ist also das Fundament des Turmes noch nicht vorhanden, so soll der Turm hinter die Arkadenlinie kommen und ich will die beiden Pfeiler samt dem Stückchen Mauer vom Haus zum Turm selbst übernehmen. F.W."

Stüler schreibt in einem Brief an den König:
"Sr. Majestät haben sie nochmals genehmigt und nur gewünscht, nach den Andeutungen in Blei die Linsenstreifen des Moabiter Thurms nach venitianischen Mustern mit Bögen zu verbinden."

Die Pläne wurden bis 1857 umgesetzt. Es entstand eine malerische Baugruppe aus Kirche, Pfarr- und Schulhaus, einem hohem Campanile und einem dem Arkadengang inne liegenden Portikus.

Der im Sinne Palladios entworfene zentrale Portikus im Stil des frühen Florentiner Quattrocento mit Figurenschmuck und Torbogen wiederholt dabei in seiner Giebelform den Dreiecksgiebel der Kirche und betont damit die Mittelachse. Der von der Eingangshalle abgehende Arkadengang verbindet die Kirche mit den seitlich angrenzenden, im italienischen Villenstil gestalteten Gebäuden: dem Pfarrhaus im Westen und dem Schulgebäude im Osten. An das Pfarrhaus schließt sich der nach venezianischem Muster gestaltete 47,6 m hohe Turm mit seinem achteckigen Aufsatz und seiner  kupfergedeckten Haube an.  Der Turm erhielt romantisierende Details, die wiederum auf den Wunsch König Friedrich Wilhelm IV. zurückgingen und der gesamten Anlage ein italienisches Aussehen verschaffen.

Zuletzt entstand 1865 noch das Küsterhaus durch den Maurermeister Assmann.

 

Die ursprüngliche Hallenkirche wurde in den Jahren 1895/96 durch Max Spitta erneut erweitert. Die alte Apsis wurde um fast ein Drittel der Kirchlänge nach Norden verschoben und erhielt flankierend beidseitig Nebenapside fast gleichen Ausmaßes auf Querbreite des hinzugefügten ausladenden Querschiffs. Der Grundriss ebenso wie das Raumgefüge wurde hierdurch zeitgemäß völlig verändert.

Während des Zweiten Weltkriegs wurde die St. Johanniskirche stark beschädigt, der Innenraum brannte während eines Luftangriffs am 23. November 1943 völlig aus. Der Turm, sowie die stülerschen Nebengebäude blieben von den Bomben weitestgehend verschont.


In den Jahren 1952 bis 1957 erfolgte unter Leitung Werry Roths und Otto Bartnings, der zu den berühmtesten  Kirchenbaumeistern des 20. Jahrhunderts gehört, der Wiederaufbau. Dabei kam er mit dem Landeskonservator Hinnerk Scheper überein, dass die Spittasche Erweiterung zwar beibehalten werden sollte, die Wiederherstellung jedoch möglichst im Schinkelschen Sinne zu erfolgen hätte. Das Wiederaufbaukonzept sah vor, die Formen wieder schlichter zu gestalten, um die liturgischen Handlungen stärker in den Vordergrund zu stellen.

Hierzu wurde der Grundriss in diesem Bereich erneut verändert. Der Altarraum wurde verkürzt, der Altar vorgezogen und erhöht. An den Altarraum wurde ein großräumiger Anbau über mehrere Geschosse für Gemeinderäume angefügt.

Dem Richtfest am 14. Februar 1953 wohnte der damalige Regierende Bürgermeister von Berlin, Ernst Reuter bei. Reuter sprach den Wunsch aus, „dass über dieser Kirche die Sonne einer besseren Zukunft scheinen möge, und dass damit in den Menschen das Gefühl der Verpflichtung wach werde, in brüderlicher Liebe zusammenzustehen.“ 

1963 errichteten die Architekten Hans-Christian Müller und Georg Heinrichs anstelle des 1896/97 erbauten und 1945 ausgebrannten Gemeindehauses einen Neubau, der sich mit seiner dunklen Klinkerverblendung an den gegebenen Gebäuden orientiert.


Das gesamte Areal steht mit allen Nebengebäuden und dem fremdverwalteten Friedhof unter Denkmalschutz.