Kirche

GELÄNDEPLAN


(Quelle: Google Earth)

            Markierungen in orange:

  • 1   Eingang Küsterei
  • 2   Eingang Kita
  • 3   St. Johannis Cafe
  • 4   Aufgang D zu den Gemeinderäumen
  • 5   Eingang Töpferkeller
  • 6   Gemeindesaal
  • 7   Kirchgarten
  • 8   Friedhof


    Markierungen in weiß:                                                                   
  • 1  Altes Pfarrhaus                                       
  • 2  Altes Schulhaus                                      
  • 3  Alte Sporthalle                                        
  • 4  Altes Küsterhaus                                    
  • 5  St. Johannis                                               
                                                                                  

GEMEINDEGESCHICHTE


 

In den Jahren 1832-1835 entstand  auf dem "Moabiter Berg", im Volksmund "Karnickelberg" genannt, dort  wo die Brückenallee (Kirchstraße) auf den Spandauer Heerweg (Alt-Moabit) traf, nach einem Entwurf des damaligen Oberbaumeisters Karl-Friedrich Schinkel mit der St. Johanniskirche die erste Kirche Moabits. St. Johannis erhielt ihren Namen nach Johannes dem Täufer und wurde am Johannistag, dem 24. Juni, 1835 eingeweiht.

Die Kirche übernahm damit einen Teil der bisher für Moabit zuständigen, fußläufig recht weit entfernt liegenden Sophiengemeinde. Moabit hatte zu dieser Zeit rund 700 Einwohner. 400 von ihnen fanden in St. Johannis Platz.

 
Im Zuge der Industrialisierung wuchs Moabit stetig. Es wurden erste Klagen über die Sittenlosigkeit der Bevölkerung Moabits laut. König Friedrich Wilhelm IV. wollte Abhilfe schaffen und beabsichtigte, weniger religiöse Menschen zum Glauben zurückzuführen. Er wollte die kirchliche Seelsorge stärker mit der Kranken- und Armenpflege verbinden. St. Johannis wurde bis 1857 zu einer „Missionsstation“ mit Schulhaus ausgebaut werden und erhielt in diesem Zuge dieser Erweiterung ihr heutiges architektonisches Antlitz.


Bis 1860 verneunfachte sich die Zahl der Einwohner Moabits auf 6543. In dieser Zeit entstanden die Borsigwerke, die Porzellanfabrik Schumann, das Gefängnis, die Ulanenkaserne, der Spandauer Schifffahrtskanal und der Humboldt-Hafen. Am 1. Januar 1861 wurde Moabit in die Stadt Berlin eingemeindet und erlebte einen weiteren Aufschwung. Es entstanden das Kriminalgericht, das Luisen-Gymnasium, der Lehrter Bahnhof sowie viele neue Straßen.


1864 ging das östlich an den Arkadengang anschließende Schulgebäude aus Kirchenhand an die Stadtgemeinde und wurde zur 31. Gemeindeschule Berlins, die 1907 die angrenzende Turnhalle erhielt. 1867 eröffnete St. Johannis zudem eine Sonntagsschule und führte den regelmäßigen sonntäglichen Abendgottesdienst ein.

Nachdem Berlin 1871 Reichshauptstadt geworden war, stiegen die Bevölkerungszahlen rasant an. Bereits 1885 lebten etwa 35.000 Menschen in Moabit, eine Zahl, die sich in den kommenden zwei Dekaden noch versechsfachen sollte. Da die Kirche für die weiter gewachsene Gemeinde erneut  zu klein geworden war, musste sie, trotz der 1894 als weitere Predigtstätte eingeweihten Heilandskirche, 1895/96 durch Max Spitta um ein Querschiff vergrößert werden.


Um 1930 arbeiteten die inzwischen sechs Kirchengemeinden Moabits und des Hansaviertels eng zusammen, um gemeinsam der kirchlichen Entfremdung entgegenzutreten. Die Nationalsozialisten versuchten, die Einflüsse der evangelischen Kirche zunehmend zu begrenzen. St. Johannis verlor einen großen Teil seiner Gemeinde: aus Überzeugung ebenso wie aus Angst vor Repressalien.

Am 23. November 1943 brannte das Kirchenschiff nach alliierten Luftangriffen völlig aus.

In den ersten Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die Gottesdienste somit in einer Wohnung in Alt-Moabit 89 abgehalten. Von 1948-1957 fanden sie in einer als Notkirche umgestalteten ehemaligen Militärbaracke westlich der Ruine St. Johannis’ statt. Bis zu 250 Gemeindemitglieder fasste der mit lehnenlosen Holzbänken ausgestattete Raum. Der 1950 gegründete Schinkelbauverein sammelte aber bereits  Mittel, um die denkmalgeschützte St. Johanniskirche wieder aufzubauen. Neben Geldspenden für den Wiederaufbau waren auch zweckgebundene Bausteinspenden erwünscht. In den Jahren 1950-57 konnte die Kirche wieder aufgebaut werden.

1963 wurde das neue Gemeindehaus mit Büro, Tagungsräumen, Festsaal und Kindertagesstätte fertiggestellt.

1971 zog die 6. Grundschule aus der Kirchenschule von St. Johannis in ihren Neubau in der Paulstraße um und so konnten die Räumlichkeiten vom Bezirk für die Gemeinde zurückerworben werden. Nach anfänglicher Nutzung als Wohnraum für den Pfarrer und durch kirchliche Institutionen, wurden sie ebenso wie das ehemalige Pfarrhaus schließlich vermietet.
 

Die fünf Kirchengemeinden Moabits und des Hansaviertels arbeiteten von 2012 bis 2015 eng zusammen im Pfarrsprengel Tiergarten. Ab 2016 fusionierten die Erlöser-, Kaiser Friedrich-Gedächtnis- und St. Johannisgemeinde mit Moabit West zur Evangelischen Kirchengemeinde Tiergarten, einer im Verbund mitgliederstarken und einflussreichen Gemeinde in der Mitte Berlins.

 

DIE ARCHITEKTUR

Die St. Johanniskirche ist eine der vier durch Karl Friedrich Schinkel in einem Zuge entworfenen Vorortkirchen. Sie waren bauähnlich, wiesen aber jeweils, individuelle Charakteristika auf. Die drei weiteren befinden sich im Wedding (Nazareth-Kirche  am Leopoldplatz, St. Paul-Kirche  Bad-/Ecke Pankstraße) und in Mitte (Elisabeth-Kirche in der Invalidenstraße).

St Johannis war ursprünglich eine einschiffige Hallenkirche mit längsrechteckigem Grundriss und halbrunder Apsis, ein schlichter Backsteinbau ohne Turm und Portikus. Da sie auf einer kleinen Anhöhe lag, erhielt sie eine vorgelagerte Freitreppe. Die Vorderseite öffnete sich unterhalb des Rundbogenfensters  mit einem dreitorigen Portal zur Brückenallee (Kirchstraße). Die Längsseiten der Kirche waren zweireihig durch Rundbogenfenster durchbrochen. Die Architektur der 1835 eröffneten Kirche war geprägt von kubischer Geschlossenheit und konstruktiver Sachlichkeit.

Die Schlichtheit und Zweckmäßigkeit Schinkels sollte im Rahmen der ersten baulichen Erweiterung jedoch schon bald einer romantischen Neuinterpretation durch Stüler weichen. Oberbaurat Friedrich August Stüler machte auf Wunsch von König Friedrich Wilhelm IV. bereits 1844 dementsprechende Entwürfe. Der König selbst, der sich intensiv mit der Architektur Italiens befasst hatte und dorthin auch mit Stüler gereist war, nahm während seiner Regentschaft großen Anteil an der Planung. Er verfügte den heutigen Standort des Turmes hinter den Arkaden. So wird von einer Bauzeichnung berichtet, in der der König mit Bleistift vermerkte:
"Ist dieser Plan der jetzt empfohlene, so genehmige ich ihn bis auf folgende evtl. Modifikationen: Ich hätte nämlich gern die offenen Arkaden auf beiden Seiten. Ist also das Fundament des Turmes noch nicht vorhanden, so soll der Turm hinter die Arkadenlinie kommen und ich will die beiden Pfeiler samt dem Stückchen Mauer vom Haus zum Turm selbst übernehmen. F.W."

Stüler schreibt in einem Brief an den König:
"Sr. Majestät haben sie nochmals genehmigt und nur gewünscht, nach den Andeutungen in Blei die Linsenstreifen des Moabiter Thurms nach venitianischen Mustern mit Bögen zu verbinden."

Die Pläne wurden bis 1857 umgesetzt. Es entstand eine malerische Baugruppe aus Kirche, Pfarr- und Schulhaus, einem hohem Campanile und einem dem Arkadengang inne liegenden Portikus.

Der im Sinne Palladios entworfene zentrale Portikus im Stil des frühen Florentiner Quattrocento mit Figurenschmuck und Torbogen wiederholt dabei in seiner Giebelform den Dreiecksgiebel der Kirche und betont damit die Mittelachse. Der von der Eingangshalle abgehende Arkadengang verbindet die Kirche mit den seitlich angrenzenden, im italienischen Villenstil gestalteten Gebäuden: dem Pfarrhaus im Westen und dem Schulgebäude im Osten. An das Pfarrhaus schließt sich der nach venezianischem Muster gestaltete 47,6 m hohe Turm mit seinem achteckigen Aufsatz und seiner  kupfergedeckten Haube an.  Der Turm erhielt romantisierende Details, die wiederum auf den Wunsch König Friedrich Wilhelm IV. zurückgingen und der gesamten Anlage ein italienisches Aussehen verschaffen.

Zuletzt entstand 1865 noch das Küsterhaus durch den Maurermeister Assmann.

 

Die ursprüngliche Hallenkirche wurde in den Jahren 1895/96 durch Max Spitta erneut erweitert. Die alte Apsis wurde um fast ein Drittel der Kirchlänge nach Norden verschoben und erhielt flankierend beidseitig Nebenapside fast gleichen Ausmaßes auf Querbreite des hinzugefügten ausladenden Querschiffs. Der Grundriss ebenso wie das Raumgefüge wurde hierdurch zeitgemäß völlig verändert.

Während des Zweiten Weltkriegs wurde die St. Johanniskirche stark beschädigt, der Innenraum brannte während eines Luftangriffs am 23. November 1943 völlig aus. Der Turm, sowie die stülerschen Nebengebäude blieben von den Bomben weitestgehend verschont.


In den Jahren 1952 bis 1957 erfolgte unter Leitung Werry Roths und Otto Bartnings, der zu den berühmtesten  Kirchenbaumeistern des 20. Jahrhunderts gehört, der Wiederaufbau. Dabei kam er mit dem Landeskonservator Hinnerk Scheper überein, dass die Spittasche Erweiterung zwar beibehalten werden sollte, die Wiederherstellung jedoch möglichst im Schinkelschen Sinne zu erfolgen hätte. Das Wiederaufbaukonzept sah vor, die Formen wieder schlichter zu gestalten, um die liturgischen Handlungen stärker in den Vordergrund zu stellen.

Hierzu wurde der Grundriss in diesem Bereich erneut verändert. Der Altarraum wurde verkürzt, der Altar vorgezogen und erhöht. An den Altarraum wurde ein großräumiger Anbau über mehrere Geschosse für Gemeinderäume angefügt.

Dem Richtfest am 14. Februar 1953 wohnte der damalige Regierende Bürgermeister von Berlin, Ernst Reuter bei. Reuter sprach den Wunsch aus, „dass über dieser Kirche die Sonne einer besseren Zukunft scheinen möge, und dass damit in den Menschen das Gefühl der Verpflichtung wach werde, in brüderlicher Liebe zusammenzustehen.“ 

1963 errichteten die Architekten Hans-Christian Müller und Georg Heinrichs anstelle des 1896/97 erbauten und 1945 ausgebrannten Gemeindehauses einen Neubau, der sich mit seiner dunklen Klinkerverblendung an den gegebenen Gebäuden orientiert.


Das gesamte Areal steht mit allen Nebengebäuden und dem fremdverwalteten Friedhof unter Denkmalschutz.

 

DER INNENRAUM


Der Innenraum der durch Karl Friedrich Schinkel entworfenen St. Johanniskirche bot zunächst etwa 400 Besuchern Platz. Dieser fand sich in den Bankreihen und auf den Emporen. Die Brüstungen ruhten auf schmalen Säulen und waren schwarz-weiß verziert. Ihre Ausrichtung entlang der Längswände betonte den Altar.

Die Wände waren nach Schinkels Plänen hellgelb gequadert, die Altarnische dunkelgrau marmoriert mit schwarz-goldenen Friesen. In der Apsiskalotte griff die Gestaltung die des Dachstuhls auf: kleine Sterne auf blauem Grund.

Die Umgestaltung des Innenraums durch Max Spitta um 1896 brachte den dem Zeitgeschmack gezollten ausufernden Historismus der Wilhelminischen Kaiserzeit. Die Veränderungen des Grundrisses durch zusätzliche Seitenarme und die Verschiebung des Altars nach Norden brachen die geschlossen Raumwirkung auf und verdoppelten das Raumvolumen. Durch zusätzlich Umbauten der Emporen sollten von jetzt an über 1000 Sitzplätze zur Verfügung stehen.

1901 wurden die Seitenwände des alten Schinkel-Portals  zugunsten eingefügter Warteräume angeschnitten. Aus derselben Zeit stammt auch die blaugrundige Schrifttafel mit den Worten „Friede sei mit euch“.

Im zweiten Weltkrieg wurde der Innenraum weitgehend zerstört. Der Wiederaufbau erfolgte, wenn auch modern im Stil der 50er Jahre, so doch schlichter und damit  "im Sinne Schinkels".

Die Emporen wurden in die Seitennischen der Querarme eingezogen und verliefen nahezu bündig mit den Langhauswänden. Sie ebenso wie die Orgelempore wurden mit hellem, der Taufstein, die Kanzel und der Altar mit dunklem Walsenfelder Marmor verkleidet. Im Übrigen wurde die Innenraumgestaltung schlicht in hellem Putz gehalten.

Die Fensterrose über der Orgelempore wurde von Prof. Kirchberger aus Splittern zerstörter Kirchenfenster in Moabit gestaltet, die übrigen Fenster sind in lichten Tönen bleiverglast.

Die Einweihung der wiederhergestellten Kirche fand am 23. Juni 1957 statt.

DER DACHSTUHL

Durch Schinkel erhielt St. Johannis einen mittelalterlich anmutenden offenen Dachstuhl. Er verlieh dem Raum Höhe und eine freie Wirkung. Die Kassettierungen am Dach waren mit Friesen und kleinen Sternen auf blauem Grund versehen.

Ursprünglich wurde die Last der offenen, nicht wie heute in Scheiben aus Brettbindern, sondern aus filigranem Stabwerk gefestigten und bemalten Dachbinderrahmen mit den halbrunden Öffnungen auf Stützen übertragen. Die Halbkreisbögen hatten die Breite des ehemaligen Raumes zwischen den Emporen der Ursprungskirche. Die Stützen standen auf einem Mauervorsprung in der Höhe der Emporenböden.

Die aufwändige hölzerne Dachkonstruktion wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört.

Der durch Bartning und Roth wiederhergestellte Innenraum vermittelt zumindest in der proportional exakten Wiederholung der Schinkelschen offenen Dachstuhlkonstruktion ein Bild des ehemaligen Raumeindrucks. Die hölzerne Dachkonstruktion wurde in vereinfachter Formensprache ausgeführt. Bartning interpretiert mit schlichten Bogenbindern den offenen Dachstuhl Schinkels neu.

Heute wird die Dachlast bereits unterhalb des Mauerwerkhauptes von einem Kraggesims auf die Außenwände übertragen.

DIE TRIUMPHKREUZGRUPPE

Nach dem Zweiten Weltkrieg fand die Triumphkreuzgruppe (gotisches Schnitzwerk, 15. Jahrhundert) aus der im Krieg zur Ruine gewordenen Franziskaner-Klosterkirche (Berlin-Mitte) in St. Johannis eine neue Heimat. Das Balkenkreuz, an dem der Gekreuzigte hängt, ist modern – auch stehen die Figuren näher beieinander als ursprünglich.




Die an den Wänden der St. Johanniskirche angebrachten vier Holzschnitzfiguren (s. Offenbarung 4,7, Löwe, Stier, Mensch, Engel) als Symbole für die vier Evangelisten Matthäus (Mensch), Markus (Löwe), Lukas (Stier), Johannes (Adler) befanden sich ursprünglich jeweils an einem Ende des Triumphkreuzes. Hier eine Fotografie der Kreuzigungsgruppe in ihrer ursprünglichen Anordnung in der Klosterkirche:





Der Altar erhielt im Rahmen des Wiederaufbaus eine wertvolle Predella aus der Marienkirche in Danzig (Gdansk).

OFFENE KIRCHE

... jeden Dienstag von 16 - 18 Uhr, jeden Mittwoch von 11.30 - 17 Uhr,  jeden Freitag von 15 - 18 Uhr und auch samstags von 11 - 13 Uhr. Zur Besichtigung ebenso wie zur Einkehr und stillen Andacht.

Und  natürlich auch während der Gottesdienste :)



(AKTUELLE FOTOS DER RUBRIK "KIRCHE" VON CLAUDIA FABER, "OFFENE KIRCHE" MARTINA KNOLL)

DIE ORGEL

foto faber

Die ursprüngliche Orgel von 1834 war ein kleines, nur zur Begleitung des Gemeindegesangs geeignetes Instrument. Sie ließ das große Radfenster im Vordergiebel frei, obwohl sie ein kubisches, keineswegs auf die Rundung der Fensteröffnung abgestimmtes Gehäuse hatte.

Im Zusammenhang mit der Spittaschen Erweiterung der Kirche schaffte man 1896 eine große Walcker-Orgel von Sauer aus Frankfurt/Oder an, die zwar stilistisch gelungen an den alten Bau angepasst wurde, die jedoch beinahe die gesamte Höhe und Breite des Bogens über dem Orgelchor ausfüllte. Sie wurde bis zu ihrer Zerstörung 1943 hohen Ansprüchen für konzertantes Orgelspiel gerecht. Leider verdeckte sie das Radfenster völlig.

Als 1959 eine viermanualige Orgel durch das Zehlendorfer Unternehmen Karl Schuke eingebaut wurde, gelang auf Wunsch des Architekten Otto Bartning, der den Wiederaufbau nach der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg leitete, eine freie, elegante Anpassung der Werke, insbesondere der Pedaltürme, an den Bogen des Tonnengewölbes und den unteren Abschluss des Radfensters mit Rosette. So entstand eine reizvolle Wechselwirkung von Licht und Instrument, die durch die farbige Fassung des neuen, maßwerklosen Fensters von Hermann Kirchberger noch gesteigert wird.

Das Instrument verfügt über:

  • vier Manuale, davon drei unterschiedlich,
  • 35 Registerstimmen, zusammen gut 2.700 Pfeifen,
  • die größte 5,62 m lang, Durchmesser 26 cm,
  • die kleinste 0,005 m (5 Millimeter) lang, Durchmesser wenige Millimeter.


Die Pfeifen sind aus unterschiedlichen Materialien gefertigt, darunter 44 aus Ahorn und 54 aus Kiefernholz, die Mehrzahl allerdings aus einer 60 % Zink-Legierung. Die Orgel hat eine mechanische Traktur mit Tonkanzellen-Schleiflade und einem freistehenden Spieltisch in der Mitte.

Das Spiel auf der Orgel war bis 1966 echte Knochenarbeit. Bei gekoppelten Manualen musste jeder Finger eine Last von 800 Gramm niederdrücken. Deshalb bekam das Instrument anlässlich eines Umbaus einen Transformator und eine elektrische Traktur. Damals bekam die Orgel auch das vierte Manual. Das dafür vorgesehene Rückpositiv wurde aus Geld- und Mutmangel aber nie gebaut. So sind das oberste und das unterste Manual der Orgel identisch.
Die Orgel verfügt über zahlreiche Spielhilfen: u.a. vier bis sechs freie Kombinationen, Fuß- und Handschalter, Wippen, zwei Jalousie-Schweller, einen Rollschweller (Walze).

LAUDATE DOMINUM IN CHORDIS ET ORGANO - "Lobt den Herrn mit Saitenspiel und Instrument" ist die Inschrift über dem Brustwerk der Orgel. Angebracht hat sie Traugott Fedtke. Er war Kantor und Organist an St. Johannis und hat die Disposition für etliche Orgeln ausgearbeitet. In Gedenken an "seine" Orgel in Königsberg (dem heutigen Kaliningrad) hat er diesen kupfergetriebenen Spruch anbringen lassen.