Zur Geschichte der St.-Johannis-Kirche und ihrer Gemeinde
In den Jahren 1832 bis 1835 entstand am Ende der Brückenallee - der heutigen Kirchstraße - auf dem "Moabiter Berg", im Volksmund "Karnickelberg" genannt, nach einem Entwurf des damaligen Oberbaumeisters Karl-Friedrich Schinkel die St. Johannis-Kirche als einschiffrige Hallenkirche. Die Kirche wurde am 24. Juni 1835, am Johannistag, eingeweiht. Damals hatte Moabit 709 Einwohner.
Damit war die St. Johannis-Kirche die erste der vier von Schinkel entworfenen sogenannten Vorstadtkirchen, die fertiggestellt wurde. Die drei weiteren Kirchen befinden sich im Wedding (Nazareth-Kirche - am Leopoldplatz, St. Paul-Kirche - Bad-/Ecke Pankstrasse) und in Mitte (Elisabeth-Kirche - Invalidenstrasse).
In den Jahren 1844 bis 1856 wurde die Kirche auf Wunsch von König Friedrich Wilhelm IV. von dem Schinkel-Schüler Friedrich-August Stüler erweitert. Er plante die Säulenvorhalle mit Portikus, das Pfarrhaus (links von der Kirche gelegen), das Schulhaus (rechts von der Kirche gelegen) und den Turm in Form eines Campanile.
Der König selbst nahm großen Anteil an der Planung und verfügte den heutigen Standort des Turmes hinter den Arkaden. So wird von einer Bauzeichnung berichtet, in der der König mit Bleistift vermerkte:
"Ist dieser Plan der jetzt empfohlene, so genehmige ich ihn bis auf folgende evtl. Modifikationen: Ich hätte nämlich gern die offenen Arkaden auf beiden Seiten. Ist also das Fundament des Turmes noch nicht vorhanden, so soll der Turm hinter die Arkadenlinie kommen und ich will die beiden Pfeiler samt dem Stückchen Mauer vom Haus zum Turm selbst übernehmen. F:W:"
Während Pfarr- und Schulhaus eher einfach gehalten sind, wurden die Säulenvorhalle mit Portikus und der Turm aufwendiger gestaltet. So ist der Portikus im Stil des frühen Florentiner Quattrocento erbaut und auch der Turm erhielt romantisierende Details, die wiederum auf den Wunsch König Friedrich Wilhelm IV. zurückgingen.
Stüler schreibt in einem Brief an den König:
"Sr. Majestät haben sie nochmals genehmigt und nur gewünscht, nach den Andeutungen in Blei die Linsenstreifen des Moabiter Thurms nach venitianischen Mustern mit Bögen zu verbinden."
Bis 1860 verneunfachte sich die Zahl der Einwohner Moabits auf 6543. In dieser Zeit entstanden die Borsigwerke, Porzellanfabrik Schumann, Gefängnis, Ulanenkaserne, Spandauer Schifffahrtskanal und der Humboldt-Hafen.
Am 1. Januar 1861 wurde Moabit in die Stadt Berlin eingemeindet und erlebte einen Aufschwung. Es entstanden das Kriminalgericht, Luisen-Gymnasium, Lehrter Bahnhof und neue Strassen.
Die ursprüngliche Hallenkirche wurde in den Jahren 1895/96 durch Max Spitta um das Querschiff erweitert. Die alte Apsis wurde dabei nach Norden verschoben.
Am 23. November 1943 brannte das Kirchenschiff nach alliierten Luftangriffen völlig aus. Dabei ging die kostbare Innenausstattung einschließlich der offenen hölzernen Dachkonstruktion verloren.
Der Turm, sowie die stülerschen Nebengebäude blieben von den Bomben weitestgehend verschont.
In den Jahren 1950 bis 1957 wurde die Kirche unter der Leitung von Otto Bartning wieder aufgebaut.
Der Wiederaufbau erfolgte, wenn auch modern, im Stil der 50er Jahre "im Sinne Schinkels". So wurde der Charakter der Kirche als Basilika unterstrichen, die hölzerne Dachkonstruktion in vereinfachter Formensprache ausgeführt.
Hinter dem Altarraum erfolgte ein Anbau, in dem sich in 3 Etagen Gemeinderäume befinden.
Die Brüstungen der Seitennischen und die Orgelempore wurden mit hellem, der Taufstein, die Kanzel und der Altar mit dunklem Walsenfelder Marmor verkleidet. Im übrigen wurde die Innenraumgestaltung schlicht in hellem Putz gehalten.
Der Altar erhielt eine wertvolle Predrella und eine Kreuzigungsgruppe (gotisches Schnitzwerk, 15. Jahrhundert), die ehemals das Triumph-Kreuz in der zerstörten Klosterkirche (Berlin-Mitte) bildete.
Die an den Wänden angebrachten vier Holzschnitzfiguren (s. Offenbarung 4,7, Löwe, Stier, Mensch, Engel) als Symbole für die vier Evangelisten Matthäus (Mensch), Markus (Löwe), Lukas (Stier), Johannes (Adler), befanden sich jeweils an einem Ende des Triumph-Kreuzes.
Die Fensterrose über der Orgelempore gegenüber des Altars wurde von Prof. Kirchberger gestaltet, die übrigen Fenster sind in lichten Tönen bleiverglast.
Im Jahre 1963 wurde das neue Gemeindehaus mit Büro, Tagungsräumen, Festsaal und Kindertagesstätte fertiggestellt (Entwurf: Hans-Christian Müller, Georg Heinrichs).
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