Zu Gast mit unseren Gästen in der Jugendverkehrsschule Bremer Straße

 

Das Begegnungscafé in St. Johannis ist jeden Mittwoch beliebter Treffpunkt für Gemeinde und Nachbarn aus dem Kiez um die Kirche und neue Nachbarn aus der Notunterkunft am OSZ und der Gemeinschaftsunterkunft Alt-Moabit. In Gesprächen, Spielen und durch Hilfe bei den Hausaufgaben wird der deutsche Spracherwerb gefördert und dabei auch das Verständnis für Bedürfnisse und Probleme.

Gerne würden die Geflüchteten ihre neue Umgebung zum Beispiel noch aktiver erkunden, sich mehr integrieren und Freunde finden. Um sie dabei zu unterstützen, wurden jetzt in der Gemeinde alte Fahrräder gesammelt, die in Hilfe zur Selbsthilfe unter Anleitung der Meerbaumhaus-Fahrrad-Experten Gunnar und Uwe wieder zum Laufen gebracht wurden. Für fast jeden interessierten Flüchtling fand sich ein Rad, das während des täglichen Sprachunterrichts zumeist im Etagenbett der Notunterkunft gelagert wird.

Doch braucht man zum Fahrradfahren in Berlin mehr als ein Fahrrad. Vor allem die Kenntnisse der Verkehrsregeln. In welche Richtung fährt man im Kreisverkehr? Was ist ein Fahrradweg? Sind Fahrradhelme Pflicht? Rechts vor Links!

Die Jugendverkehrsschule in der Bremer Straße hat sich be ider Beantwortung dieser Fragen über Generationen von Schulkindern bewährt. Hier werden die wichtigsten Regeln in Schulungsräumen vermittelt und die im sie umgebenden kleinen Park simulierte Verkehrssituation - von der Ampelphase bis zum Kreisverkehr - ermöglicht es, die Theorie gleich im Anschluss mit ein paar Runden auf dem Rad in die Praxis umzusetzen. Hier fanden die Flüchtlinge tatkräftige Unterstützung, geduldige und verständliche Anweisung und vor allem einen zentral gelegenen Platz, der ihnen ermöglichte, in sicherem Refugium zu trainieren, was sie draußen in der realen, rauen Verkehrswelt erwartet.

Seit zwei Jahren kämpft die Jugendverkehrsschule Bremer Straße ums Überleben. Dem Gebäude und dem Platz sieht man an, dass hier durch den Bezirk lange nicht mehr investiert wurde. Ein unabhängiges Gutachten besagt, dass mit vergleichsweise geringen Investitionen viel Sanierung erreicht werden könnte. Doch der Bezirk verweist auf Erfordernisse in dreifacher Summe und sieht in der Grünfläche in direkter Nachbarschaft zur Arminius-Markthalle brachliegendes Bauland.

Die Jugendverkehrsschule möchte hier hingegen in Anbetracht der offensichtlich steigenden Notwendigkeit die Öffnungszeiten erweitern und damit die Verkehrssicherheit für kleine und große Rad- und Rollerfahrer erhöhen. Hier trainieren die Kita-Kinder der Umgebung erste selbständige Schritte, machen Grundschüler ihren Fahrradführerschein, hier ist mitten im Zentrum Moabits ein erhaltenswerter Treffpunkt, dessen Team von Ehrenamtlichen bereit ist, sich nicht nur vor den Wahlen mit allen Mitteln für ihrer Verkehrsschule einzusetzen.

Und hier wird in Kürze auch die nächste Gruppe von Geflüchteten aus unserem Begegnungscafé erfahren, dass uns ihr Wohlergehen auf allen Wegen wichtig ist.

 

 

MARTINA KNOLL

(fotos:knoll)