Stolpersteinverlegung in der Thomasiusstraße






Allein in Moabit wurden 1800 Menschen, die zum Teil erst durch das NS-Regime zu Juden erklärt wurden,  Opfer der Shoa. Sie wurden entrechtet, in Sammellager gebracht und vielfach von dort vor den Augen der Bevölkerung durch die Moabiter Straßen zu den Deportationszügen auf dem Moabiter Bahnhof getrieben. Gedenktafeln und Mahnmale erinnern an sie.

Am Freitag, dem 8. August, wurden in der Thomasiusstraße zudem Stolpersteine vor Häusern dieser verfolgten Nachbarn verlegt, deren Leidensweg in der Deportation, der Ermordung oder dem Freitod endete. Insgesamt 105 Steine werden diese ehemaligen Bewohner der Thomasiusstraße so mahnend dem Vergessen entreißen.

Die Stolperstein-Initiative-Thomasiusstraße recherchierte zu den Opfern aus ihrer Straße und fand in umfangreichen Untersuchungen in den Archiven, aber auch über Nachkommen in aller Welt nähere Informationen zu den Opfern, zu ihren familiären Hintergründen und ihrem Leben. Ihre Erkenntnisse werden sie über www.stolpersteine-berlin.de in Kürze zugänglich machen.

Zu den ersten Besichtigern der frisch verlegten Stolpersteine gehörte die Seniorengruppe unserer Kirchengemeinde, die mit Frau Kopf und Frau Göde ihren freitäglichen Ausflug diesem dunklen Kapitel unserer Geschichte widmete. Auch auf der anschließenden Gedenkveranstaltung im vollbesetzten Gemeindesaal mit von weit her angereisten Angehörigen zweier Opfer und zahlreichem interessierten Publikum waren sie dabei, hörten die mahnenden Worte des stellvertretenden Bezirksbürgermeisters ebenso wie den kritischen Vortrag des Experten für das Sammellager Große Hamburger Straße. Die Mezzosopranistin Kim Seligsohn begleitete das  Programm musikalisch.


MARTINA KNOLL
(fotos:knoll)