Fürchtet Euch nicht!

Bischof Dröge zeigte am Samstag auf dem Washingtonplatz Gesicht und machte klar, dass Kirche nicht nur in geweihten Hallen stattfindet. Er versuchte christliche Positionen in der Flüchtlingspolitik darzustellen und forderte dazu auf, das politische Wahlrecht wahrzunehmen und zwar gut überlegt.

Während seiner Rede galten besorgte Blicke der Zuhörer zunehmend der anderen Seite des Platzes. Denn dort sammelten sich die, die sich in ihren Parolen als "das Volk" bezeichnen und tatsächlich glauben, Sprachrohr der Mehrheit zu sein. Die, die aus Sorge und dem Gefühl, nicht gehört zu werden, auf die Straße gehen - gemeinschaftlich mit denen, die nicht nur durch ihr Äußeres Angst erzeugen wollen und sich dadurch Macht erhoffen. Die hohe Teilnehmerzahl der Kundgebung unterscheidet zwischen ihnen jedoch nicht.

"Fürchtet Euch nicht!" Wahre Gemeinschaft beruht auf gleichen Wertvorstellungen und Idealen. Die immer wieder zitierten Äußerungen, die mit einem sich distanzierenden Urteil beginnen, dem ein mit "aber" eingeleiteter Nebensatz folgt, sind da keine feste gemeinschaftliche Burg.

"Fürchtet Euch nicht!" Denn dadurch erhalten die Angsterzeuger erst Macht.

Fürchtet Euch ruhig ein bisschen, denn das ist menschlich, motiviert und schärft die Sinne.

Und vertraut der großen schweigenden Mehrheit, die die Ansichten des Bischofs doch teilt.

 

MARTINA KNOLL

(foto:knoll)