Schwellenerlebnis Moabit: Pfarrer Mangliers tritt seinen Dienst als Seniorpfarrer an

 

Am 4. Januar 2015 konnte Pfarrer Gisbert Mangliers ein Schwellenerlebnis verzeichnen, ein Erlebnis, an dem man wachsen kann oder scheitern, wieder aufstehen und es erneut versuchen, wie er in seiner Predigt ausführte. Denn an diesem Tag übernahm er als Vakanzvertretung und Senior-Pfarrer die pastoralen Dienste in St. Johannis.

Die Kirche war verhältnismäßig gut gefüllt. Nicht ganz so sehr wie bei seiner Einführung durch Superintendent Höcker am 1. Januar in der Kaiser-Friedrich-Gedächtniskirche, bei der dieser scherzhaft auf die erforderliche Flexibilität eines einzelnen Pfarrers neben den fünf Pfarrerinnen unseres Sprengels verwies. Pfarrer Mangliers hat in seinem kirchlichen Leben aber schon ganz andere Herausforderungen gemeistert. 30 Jahre war der in Potsdam-Babelsberg Aufgewachsene Pfarrer, in den letzten Jahren der DDR ebenso wie zu Zeiten der Wiedervereinigung. Mit Gottes Hilfe, so wie er auch seine Bereitschaft bekundete, den Dienst als Senior-Pfarrer in unserem Sprengel zu übernehmen.

Das Junior-Senior-Pfarrer-Modell beruht auf einem beidseitig profitablen Austausch: ein Pfarrer oder eine Pfarrerin (Senior), wenige Jahre vor Renteneintritt, macht in seiner/ihrer Gemeinde frühzeitig Platz für die Nachfolge (Junior). Der Senior unterstützt dann eine andere amtstechnisch bedürftige Gemeinde, während der Juniorpart sich mit seiner neuen Aufgabe konfliktfrei und vorbehaltlos vertraut machen kann. Denn so ein Wechsel, inklusive Entwöhnung nach langen Jahren, ist auch für eine Gemeinde nicht immer einfach.

Jetzt ist der Pfarrsprengel Tiergarten der "bedürftige" Part in diesem Unterstützungsmodell: Im Januar ist Pfarrerin Türpe in Elternzeit, Pfarrerin Röhm ist langfristig erkrankt, Pfarrerin Reichwald-Siewert geht am 2. Advent diesen Jahres in den Ruhestand und ihr folgt Pfarrerin Neubert voraussichtlich Anfang 2017. Eine Zeit des Umbruchs in unserem Sprengel, den Pfarrer Mangliers bis einschließlich November 2017 begleiten wird.

Bei seiner Einführung und Begrüßung in KFG standen dem 62-Jährigen noch Amtsträger seiner entsendenden Gemeinde Prenzlauer Berg Nord zur Seite. In St. Johannis begleitete ihn nur noch Frau Teßmann, die das Lektorat an diesem Sonntag übernommen hatte, bis in die erste Reihe.

Und dann verlief  alles zum beidseitigen Wohlgefallen. Die Gemeinde freute sich über den Vertreter, der in seiner Predigt den Jahreswechsel als Schwellenerlebnis und seine Einführung als  Ritual, wie Böller und Raketen zu Silvester, auslegte und ihr im Anschluss im sonntäglichen Kirchcafé mit seiner Frau Rede und Antwort saß.

An den nächsten Sonntagen können Sie Pfarrer Mangliers wieder in St. Johannis erleben, aber ganz bestimmt nicht, weil er über sein Schwellenerlebnis gestolpert wäre und es erneut versuchen möchte, sondern als neuen, den Pfarrerinnen gleichberechtigten Senior in unserem Pfarrsprengel. Herzlich willkommen!


MARTINA KNOLL

(foto:knoll)