Kirche & Küche

 

Was haben Kirche und Küche gemeinsam? Die Fusion.
Die Verschmelzung von regionalen Einheiten und Eigenheiten, ob nun in traditioneller Rezeptur oder lokaler Gemeindegeschichte, zu einem größeren Etwas.

Die sogenannte Fusionsküche, in den späten 80er Jahren entstanden, konzentrierte sich zunächst darauf, Zutaten bestimmter Länder oder gar kontinental in einem Gericht zu vereinen. Der geschmacklichen Neugierde gezollt, der Befreiung von festen Regeln der Kochkunst, aber auch der zunehmenden Globalisierung und dem Zusammenleben verschiedener Kulturen in den Schmelztiegeln der Großstädte.

Im kommenden Jahr wird die evangelische St. Johannisgemeinde mit der Kaiser-Friedrich-Gedächtnis- und der Erlösergemeinde sowie Moabit West fusionieren. Die vier Gemeinden mit ihren vier Kirchen als Zutat schließen sich zusammen zur „Evangelischen Kirchengemeinde Tiergarten“. Ob das nun jedem schmeckt oder nicht: Die Fusionsküche ebenso wie die Fusion unserer Gemeinden spiegelt eine demokratische Entscheidung! Das grenzenlose, gleichberechtigte Miteinander der zu verspeisenden Zutaten genau wie das gemeinsame Streben der Gemeinden. Es kann den geschmacklichen Horizont nur erweitern.

In der deutschen Küche gibt es nach fast drei Jahrzehnten der Fusion einen Trend zurück zur Regionalität und zum reinen Genuss ohne globalisierte Garnierung. In wie weit sich dieser Trend auch auf der Ebene der Kirchengemeinden widerspiegeln wird, wird die Zukunft zeigen. Jetzt starten wir erst einmal durch und werden im neuen Jahr wohl noch viel Probieren müssen mit der Würze, dem Rühren in verschiedenen Töpfen und der Portionierung. Und wenn anfangs vielleicht auch einmal ein bisschen Versalzen wird, sehen Sie uns das bitte nach. Wir wünschen Ihnen einen guten Appetit und ab 2016 ein kirchengemeindliches Geschmackserlebnis, das Sie vermehrt hinter dem Herd hervor in die Kirchen lockt.

 

MARTINA KNOLL

 

(foto:knoll)