Feiern gegen Fremdheit


Überschattet von den Pariser Übergriffen religiöser Fanatiker trafen sich am 12. Januar in der Heilandskirche Mitglieder des Zentrums für interreligiösen Dialog mit Moabiter Initiativen der Flüchtlingshilfe, der Kirchen des Pfarrsprengels und interessierten Mitbürgern, um gemeinsam einen Weg zu suchen, „ein Zeichen für eine menschenwürdige Aufnahme von Flüchtlingen und gegen ausländerfeindliche Stimmungsmache zu setzen“.

Moabit hat drei große Flüchtlingsunterkünfte: feste Einrichtungen in der Levetzowstraße mit 230 Asylanten sowie Alt-Moabit mit etwa 160 Menschen aus 32 Nationen und zudem die neue Traglufthalle im Poststadion für etwa 400 Personen.  Weitere Flüchtlinge sind in der Beusselstraße in Hostels untergebracht, 300-400 leben in Privatwohnungen und WGs und eine achtköpfige Familie wird durch den Pfarrsprengel Tiergarten mit Unterstützung der Pfingstgemeinde Friedrichshain und der „Neuen Nachbarschaft“ betreut und versorgt. Auch im „Haus der Weisheit wird immer wieder Frauen und Kindern Unterkunft gewährt, die den für sie  aus religiösen Gründen unzumutbaren Zuständen im Flüchtlingsheim wieder entfliehen oder die am Wochenende einfach hilfesuchend vor verschlossenen Türen standen. Und auch neun der Flüchtlinge vom Oranienplatz fanden in KFG einen zeitweiligen Unterschlupf. „Laib & Seele“, eine Initiative der Erlösergemeinde, die eine kostenfreie Essensausgabe an Bedürftige bietet, versorgt 15 Familien aus der Levetzowstraße. Diana Henniges von „Moabit hilft!“ berichtete, dass das dortige Heim wegen der in vieler Hinsicht untragbaren Zustände wohl zum Quartalsende geschlossen werden soll.

Die Teilnehmer und Teilnehmerinnen der frühabendlichen Zusammenkunft waren sehr willig, sich im Rahmen ihrer persönlichen oder institutionellen Möglichkeiten zu engagieren. Flyer mit Informationen, wo man Hilfe findet und wo Hilfe gebraucht wird, wurden vorgeschlagen. Informationsblätter, die darüber aufklären, welche Verhaltensregeln eingehalten werden sollten, um präventiv einer belasteten Nachbarschaft vorzubeugen. Manch guter Vorschlag, wie die Kitas an den Wochenenden für die Flüchtlingskinder zu öffnen, ging in der Flut der Abwägungen, was nötig oder unnötig sei, was schon vorhanden, wer vernetzt, wer sich wann und wo trifft, einfach unter.

Moabit hilft!“ und die „Neue Nachbarschaft“ kümmern sich in vielfältiger Weise um die Bewohner der Flüchtlingsheime, bieten auf ihren Webseiten Bedarfslisten, organisieren Feste, ermöglichen auf ehrenamtlicher Basis Sprachkurse, Strickkurse, Patenschaften. Den Menschen in der neuen Traglufthalle gilt das Interesse einer Initiative, die sich zweimal monatlich im B-Laden in der Lehrter Straße trifft. Wenn Sie die vom Pfarrsprengel Tiergarten betreute Familie mit sechs Kindern unterstützen möchten, die finanziell keinerlei staatliche Unterstützung erhält, findet sich ein Weg über Pfarrerin Rebiger und ihren Mann von der Heilige Geist Gemeinde und über die Refo-Gemeinde. Eine Vernetzung aller Initiativen versucht das Quartiersmanagement Moabit West.

Am 14. Juni soll ein großes gemeinsames Fest mit Flüchtlingen, Initiativen und Nachbarn gegen Ängste auf beiden Seiten, zum gegenseitigen Kennenlernen und zur Aufklärung stattfinden. Das Zentrum für interreligiösen Dialog wird als Veranstalter auftreten und beginnt schon jetzt mit den Vorbereitungen und dem Stellen von Anträgen für finanzielle Unterstützung.

St. Johannis wird parallel zum Sprengelsommerfest Veranstaltungsort des gemeinnützigen Festes unter dem Motto "Flüchtlinge sind auch Nachbarn" sein. Unsere Gemeinde erhält damit die Möglichkeit, sich durch diese Unterstützung in weiterer Form auch aktiv an einer Verbesserung des Klimas für Flüchtlinge zu beteiligen. Um die Kirche herum ist eine bunte Reihe von Ständen und Angeboten geplant, die Kita wird ihre Türen öffnen und das Pfarrsprengelfest im Kirchgarten sicherlich eine zusätzliche integrative Begebenheit. Vielleicht trifft man sich wieder: am 24. Juni, selber Ort, zum Johannisfeuer.



MARTINA KNOLL

(foto:knoll)