Farbe bekennen auf dem Asphalt


Oben in den Baumwipfeln der Turm von St. Johannis. Stoischer Beobachter des bunten Treibens auf der Straße. Weniger gleichmütig die Teilnehmer der Demonstration gegen die montäglichen Kundgebungen der Bärgida am Hauptbahnhof.

Seit vier Wochen laufen sie immer dieselbe Strecke, um zu verhindern, dass die Bärgida und  die sie flankierenden Hooligans wieder nach Moabit ziehen. So wie vor fünf Wochen, als im Ottopark „Deutschland, Deutschland über alles!“ gesungen wurde.

Den älteren Semestern der Gegendemonstranten kommen die aus dem Lautsprecherwagen ertönenden Politparolen sehr bekannt vor. Manch einer könnte gut darauf verzichten, würde lieber etwas kreativer, konstruktiver, moderner an die Situation herangehen. Aber es geht darum, Präsenz zu zeigen. Auch den Jüngeren. „Man muss aufstehen, um sich zu widersetzen. Zeigen, dass man diese Leute in seinem Kiez nicht will!“, erklärt eine 16-Jährige.

Kirche und Politik. Ein Minenfeld. Position zu beziehen, erzeugt Gegenreaktionen. Die katholische Kirche scheute das nicht. In Köln wurde Anfang Januar am Dom das Licht gelöscht. Die zu seinen Füßen versammelte Pergida stand plötzlich im Dunkeln da.

Das können wir an diesen langen, hellen Sommerabenden nicht wirklich kopieren. Zumal der Hauptbahnhof und die anliegenden Hotels nun auch nicht im Hoheitsgebiet unseres Sprengels liegen. Doch regt sich auch in diesem verhaltener, ausbaufähiger Widerstand. Herr Fechtner, Jugenddiakon der evangelischen Kirchen in Moabit und im Hansaviertel, ließ nach dem Gottesdienst Flyer verteilen mit dem Aufruf zur „Demonstration gegen Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Menschenverachtung. Moabit bleibt bunt!“ Viel Resonanz fand er nicht, und doch: Die Junge Gemeinde ebenso wie einige von ihm ausgebildete Teamer sind von Anfang an jeden Montag auf der Straße dabei, passieren St. Johannis, um am Washingtonplatz der Bärgida friedlich die Stirn zu bieten.


Say it loud, say it clear ... : Danke dafür!

 

MARTINA KNOLL

P.S. Natürlich auch den älteren „Mitläufern“.

 

 

 

(foto:knoll)