Die Wahl ist eröffnet

Wahlunterlagenausgabe bei Frau Orschmann und Frau Teßmann

 

Gestern, am 6. November, fand nach einem bewegenden Friedens-Gottesdienst mit Pfarrer Mangliers und dem Gospelchor „Spirit of Nazareth“ in St. Johannis die lang erwartete Kandidatenvorstellung für die GKR-Wahl statt.

Organisatorische Gründe führten dazu, dass bei der jetzigen Wahl alle GKR-Mitglieder neu gewählt werden müssen. So stellten sich insgesamt 23 Kandidaten aus allen vier Kirchenstandorten in kurzen Selbstportraits den interessierten Gemeindemitgliedern vor. Aus einem wirklich bunten Strauß von ehrenamtlicher Vorerfahrung und Schwerpunktsetzung können die Wähler auswählen. Von 30 bis 68 Jahre reicht die Altersbandbreite, querbeet sind alle möglichen beruflichen Qualifikationsgrade vertreten. Die meisten Kandidaten kamen auch gut mit der auf zwei Minuten begrenzten Redezeit aus, Pfarrer Mangliers brauchte die mitgebrachte Sanduhr kaum ins Spiel zu bringen. Im Anschluss an die Vorstellungsrunde bot sich Gelegenheit für die Gemeindemitglieder, Fragen an die Kandidaten zu stellen.

Die ersten Fragen bezogen sich auf die Zusammensetzung aller Kandidaten als deutschstämmig trotz des „bunten“ Umfeldes in Moabit, und es wurden Zweifel erhoben, dass Menschen, die sich als mitten im Arbeitsleben stehend beschreiben, im Fall ihrer Wahl doch nicht ausreichende Zeitfenster für das ehrenamtliche Engagement einbringen könnten.

Fabian Eidtner beantwortete die Frage nach der vermissten „Buntheit“ mit dem Hinweis, dass auch für ein christliches Leitungsgremium in Moabit gelte, dass die Bewerber zumindest evangelische Christen sein müssten, und viele „bunte“ Bewohner im Kiez eben anderen Religionen angehören.

Gleich mehrere Kandidaten stellten richtig, dass sie ihre beruflichen Erfahrungen der Gemeinde gerade gewinnbringend zur Verfügung stellen möchten und dafür bereit sind, einen erheblichen Teil ihrer freien Zeit für dieses Engagement aufzuwenden.

Einer Fragestellerin war aufgefallen, dass bei keinem einzigen Kandidaten die Ökumene ein besonders erwähntes Anliegen war.

Rein sachlich ist die Lage so, dass die Gemeinde Tiergarten und die in ihr aufgegangenen kirchlichen Standorte überall auf eine gut nachbarschaftliche ökumenische Tradition schauen. In der jung fusionierten Gemeinde stehen aber zur Zeit noch solche Themen im Vordergrund, bei denen wir mit uns selbst und unserer weiteren Entwicklung als Großgemeinde beschäftigt sind. Da kam der mahnende Hinweis der Fragerin gerade recht und erinnert uns, auch die nachbarschaftlichen Bindungen in der fusionierten Gemeinde aktiv zu betreiben.

Schließlich trug ein Herr, beauftragt von einem Seniorenkreis, das Anliegen vor, dass in möglichst verständlicher Sprache gesprochen und geschrieben werden sollte, die niemanden durch Verwendung von Fremdwörtern und Spezialbegriffen ausschliesst. Das fällt uns in unserer besonders in sprachlicher Hinsicht enorm internationalisierten Gegenwartswelt immer schwerer. Andererseits teilen wir alle miteinander die zeitlose Glaubenswahrheit, dass Gott uns immer wieder über einfachste Worte ins Herz trifft.

Mit vielen Gedanken über das Gehörte und auch sehr dankbar für den ergreifenden und nachdenklich machenden Friedensgottesdienst des heutigen Auftaktsonntags der Friedensdekade ging die Gemeinde dann auseinander.

 

SABINE WENDT